Vorarbeit
In vielen Fällen sind die Texte nicht ursprünglich für das Web verfasst und stammen aus Jahresberichten, Projektbeschreibungen und anderen Quellen.
Um herauszufinden, wie die Leute auf dem World Wide Web lesen und Texte bedienen, habe ich daher vor der eigentlichen Online-Studie einen Usability-Test im Labor durchgeführt. Dabei wurden 12 Testpersonen aus Journalismus, Finanzwelt und aus sozialen Berufen beim Lesen und Bedienen von Webtexten einer grossen Schweizer Bank beobachtet.
Nach diesem Vortest lassen sich die Probleme der Leserinnen und Leser in drei Gruppen fassen:
- Bedienbarkeit
- Einige Texte sind nicht für die Bedienung gestaltet und bieten
wenig Ankerpunkte an, an denen sich das Auge beim schnellen Überblick
festhalten kann. Die Leserinnen und Leser in einem Usability-Test sagen
dabei oft: "Ich finde nicht, was ich suche" oder "das sieht
nach viel Text aus".
Zitat "Schwacher Gebrauch der Internetmöglichkeiten: Teils Texte oder Seiten zu sehr 'en bloc', wo inhaltlich Verschiedenes klar getrennt werden sollte." (Online-Journalist, 31) - Verständlichkeit
- Andere Texte sind nicht für ein breites Publikum geschrieben. Ursprünglich
interne Texte spiegeln interne Details wider: Firmengebräuchliche
Abkürzungen, Einteilungen in Abteilungen der Firma oder der Organisation.
In einem kurzen Satz könnte man sagen: Firmeninterne Schreiber schreiben
für firmeninterne Leser. Solange nur Fachleute angesprochen werden,
sollte das kein Problem sein, denkt man. Aber: Selbst Finanzfachleute
beklagen sich über ein Übermass an Fremdwörtern auf einer
Bankenseite, welche nicht erklärt werden.
Zitat "Erklären der Fremdwörter. Dies erwartet man von seinem Hausarzt auch. Ansonsten wechselt man ihn, so dass man versteht, was man hat!" (Finanzplaner, 34)
Zitat 2 "Entrümpelung von zuviel 'Swingish'." (Chief Financial Officer, 60) - Anwendbarkeit
- Entgegen vieler Vorurteile zum Lesen auf dem Web möchten die Testpersonen
im Usability-Labor nicht immer nur Schnellkost auf einer Website. Wichtig
scheinen nach den Aussagen der Testpersonen vor allem fundierte, gut organisierte
Fakten. Dies sieht man auch an folgendem Zitat:
Zitat "(Die Texte) wecken Neugierde und Erwartungen, welche nicht immer befriedigt werden." (Berufsschullehrer, 38)


